Die heiß ersehnte Rückkehr-Saison des Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga hatte viele Helden. Trainer Merlin Polzin, Riesentalent Luka Vuskovic und Offensivspieler Fabio Vieira zählen definitiv dazu. Am letzten Spieltag, als es sportlich um nichts mehr ging, kam noch einer dazu: Ersatztorhüter Sander Tangvik, der beim 1:1 bei Bayer Leverkusen einen Elfmeter von Patrik Schick parierte und einen Punkt bravourös festhielt.
Der HSV beendete die Saison nach dem sensationellen Wiederaufstieg im Vorjahr auf einem soliden 13. Tabellenplatz mit 38 Punkten. Für einen Klub, der sieben Jahre in der Zweiten Liga verbracht hatte, war dies ein großer Erfolg. Die Mannschaft von Merlin Polzin zeigte vor allem in der zweiten Saisonhälfte eine deutliche Steigerung. Der 35-jährige Trainer hatte sein Team defensiv stabilisiert und offensiv variabler gemacht. Dabei halfen ihm Spieler wie Luka Vuskovic, der erst 18-jährige Kroate, der in der Innenverteidigung überzeugte und schon jetzt als eines der größten Talente Europas gilt. Sein Wechsel zu Tottenham Hotspur im Sommer 2026 ist bereits beschlossene Sache, aber bis dahin will er dem HSV weiterhelfen.
Fabio Vieira, von Arsenal ausgeliehen, war der kreative Kopf im Mittelfeld. Mit fünf Toren und sieben Vorlagen hatte er großen Anteil am Klassenerhalt. Nach dem letzten Spieltag gegen Leverkusen deutete Polzin an, dass der Leihspieler wohl nicht zu halten sei: „Man sollte sich nicht in Leihspieler verlieben. Bei uns herrscht wenig Wehmut, sondern eine große Dankbarkeit.“ Polzin zeigte sich bei der Pressekonferenz nach dem 1:1 glücklich und erleichtert. Während Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand um seinen Job bangen musste, konnte der HSV-Coach planen. Sein Vertrag läuft noch zwei Jahre.
Polzin: „Norwegen kann sich auf ihn verlassen“
„Er hat die Mannschaft seit dem Winter besser gemacht. Es war für mich nur eine Frage der Zeit, wann wir das über das Trainingszentrum hinaus in Deutschland registrieren“, sagte Polzin nach dem Remis, bei dem Torhüter Tangvik als Stellvertreter von Daniel Heuer Fernandes Parade um Parade zeigte. Der 22-jährige Norweger war im Winter von Rosenborg Trondheim gekommen und hatte sich in der Rückrunde zur Nummer zwei entwickelt. Gegen Leverkusen zeigte er seine bislang beste Leistung im HSV-Trikot. „Es war ein riesiges Ausrufezeichen für den Sommer, dass sich Norwegen auf ihn verlassen kann, wenn sie ihn brauchen“, fügte Polzin an.
Die norwegische Nationalmannschaft mit Stürmerstar Erling Haaland gilt bei der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA (11. Juni bis 19. Juli) als Geheimfavorit. In der Vorrunde trifft Norwegen auf Irak, Senegal und Vize-Weltmeister Frankreich. Im Tor wird aber voraussichtlich der erfahrenere Orjan Nyland stehen, der früher für den FC Ingolstadt spielte. Dennoch hat Tangvik mit seinen starken Auftritten auf sich aufmerksam gemacht. Die Nationalmannschafts-Situation ist für ihn eine große Motivation für die kommende Saison.
HSV ist wieder alleinige Hamburger Bundesliga-Mannschaft
Nach dem Abstieg des FC St. Pauli ist der HSV erstmals seit der Saison 2017/18 wieder die einzige Hamburger Mannschaft in der Bundesliga. Der Club hat bei seinem Comeback im Oberhaus wenig Zweifel an seiner Erstliga-Tauglichkeit gelassen. „Ich hatte eine gute Saison, aber am wichtigsten war, dass der HSV sein Ziel erreicht hat. Dass ich ein Teil davon war, stimmt mich glücklich“, sagte Torschütze Vieira, der gegen seinen alten Club Leverkusen getroffen hatte. Sein Weitblick und seine Technik waren für die Mannschaft unersetzlich. Nach seiner Rückkehr zu Arsenal könnte er im nächsten Jahr an einen anderen Klub ausgeliehen werden, vielleicht sogar wieder in die Bundesliga.
Die Rückkehr des HSV ins Oberhaus war von vielen Emotionen begleitet. Nach dem Abstieg 2018 durchlebte der Klub eine lange Leidenszeit mit mehreren gescheiterten Aufstiegsversuchen. Erst unter Trainer Polzin, der im Sommer 2024 den glücklosen Steffen Baumgart ablöste, fand die Mannschaft die nötige Konstanz. Polzin setzte auf eine Mischung aus erfahrenen Spielern wie Heuer Fernandes und Robert Glatzel und jungen Talenten wie Vuskovic und Immanuel Pherai. Der Kader wurde gezielt verstärkt, unter anderem mit dem spanischen Mittelfeldspieler Javi Montero, der mit sechs Toren aus dem Mittelfeld überzeugte.
Die finanzielle Situation des HSV bleibt angespannt. Die Investitionen in die Infrastruktur und die Gehaltskosten sind hoch, aber die Einnahmen aus der Bundesliga helfen. Der Vorstandsvorsitzende Michael Mutzel betonte mehrfach, dass der Klassenerhalt das Minimalziel gewesen sei. Nun kann man in Ruhe für die Zukunft planen. Der Vertrag von Sportvorstand Claus Costa läuft noch ein Jahr, Verhandlungen über eine Verlängerung sollen bald beginnen.
Trainer spürt Dankbarkeit statt Wehmut
„Ich glaube, die Leistung, die die Mannschaft heute gezeigt hat, war sinnbildlich für das, was wir uns die Saison hart erarbeitet haben. Die Momente und dieses Glücklichsein sind nicht einfach so entstanden, wir mussten verdammt viel dafür tun“, betonte der Trainer. Sein junges Trainerteam arbeitete akribisch an der Taktik. Gegen Bayer Leverkusen zeigte der HSV einmal mehr, dass er auch gegen Spitzenteams bestehen kann. In der Hinrunde hatte man den Vizemeister mit 2:1 geschlagen, im DFB-Pokal war man erst im Achtelfinale am späteren Sieger RB Leipzig gescheitert.
Die Fans des HSV haben ihre Mannschaft durch die schwere Zeit getragen. Das Volksparkstadion war in dieser Saison mit durchschnittlich 56.000 Zuschauern fast immer ausverkauft. Die Stimmung war trotz der Rückschläge positiv. Am letzten Spieltag feierten die mitgereisten Fans in Leverkusen gemeinsam mit den Spielern den Klassenerhalt, der schon Wochen zuvor feststand. Auch wenn sportlich nichts mehr auf dem Spiel stand, zeigte die Mannschaft Charakter und holte einen Punkt gegen einen starken Gegner, der um die Champions League kämpfte.
Blick in die Zukunft: Für die kommende Saison muss Polzin einige Abgänge verkraften. Neben Vieira wird auch der etatmäßige Stürmer Glatzel wohl gehen, dessen Vertrag ausläuft. Die Planungen laufen bereits. Im Gespräch sind Ersatzleute wie der Stuttgarter Serhou Guirassy (falls ablösefrei) oder ein Joker aus der zweiten Reihe. Im Tor wird Tangvik wahrscheinlich die neue Nummer eins werden, falls Heuer Fernandes das Angebot eines anderen Erstligisten annimmt. Die Abwehr um Vuskovic bleibt stabil, und im Mittelfeld hofft man auf die Entwicklung von Pherai und dem eingebürgerten Talent Lars Schöne.
Die Konkurrenz in der Bundesliga wird nicht schwächer. Traditionsvereine wie Schalke 04 und Werder Bremen wollen ebenfalls zurück an die Spitze. Der HSV muss sich weiterentwickeln, um nicht wieder in den Abstiegskampf zu geraten. Die Fanbasis ist riesig, das Potenzial ist da. Trainer Polzin ist zuversichtlich: „Wir haben eine Grundlage geschaffen. Jetzt müssen wir darauf aufbauen, aber ohne uns selbst zu überschätzen.“ Die bewegte Rückkehr-Saison des HSV ist ein ermutigendes Zeichen für den gesamten deutschen Fußball. Der Klub ist zurück im Oberhaus und will sich dort langfristig etablieren.
Die Helden der Saison – Polzin, Vuskovic, Vieira und nun auch Tangvik – werden in die Vereinsgeschichte eingehen. Die Fans werden die Saison 2024/25 als die Rückkehr-Saison in Erinnerung behalten, die trotz aller Widrigkeiten gelang. Der HSV ist wieder da, und er ist allein in Hamburg. Die Rivalität mit St. Pauli lebt, aber in der kommenden Saison werden die Kiezkicker in der Zweiten Liga spielen. Für den HSV bietet sich die Chance, den Vorsprung auszubauen und sich als feste Größe im deutschen Profifußball zu etablieren. Die Planungen für die neue Spielzeit laufen bereits auf Hochtouren, und die Vorfreude auf die nächste Runde ist riesig.
Die Leistung von Tangvik gegen Leverkusen war ein Symbol für die Mentalität des gesamten Teams: niemals aufgeben, immer bereit sein, wenn man gebraucht wird. Der Norweger hat mit seiner Parade gezeigt, dass er ein Torwart mit Potenzial für eine große Karriere ist. „Ich bin glücklich, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Die Saison war unglaublich für mich und den ganzen Club“, sagte der 22-Jährige nach dem Spiel. Seine Zukunft könnte im Sommer 2025 bei einem größeren Verein liegen, aber erst einmal will er den Erfolg mit dem HSV genießen. Die Rückkehr des Traditionsklubs in die Bundesliga ist eine der schönsten Geschichten der Saison, und sie wird noch lange nachwirken.
Source: DIE ZEIT News