Der Stand-up-Comedian Jo Koy wurde bei seiner ersten Moderation der Golden Globes am 7. Januar 2024 im Beverly Hilton Hotel für seinen Eröffnungsmonolog ausgebuht. Der Film- und Fernsehabend, der traditionell als lockere Vorgruppe zu den Oscars gilt, entwickelte sich für den 52-jährigen Comedian zu einem Debakel. Bereits nach wenigen Minuten zeigte das Publikum deutliche Unzufriedenheit, und die Kameras fingen ungläubige Blicke von Stars wie Selena Gomez, Ryan Gosling und Taylor Swift ein.
Jo Koy, der in den USA vor allem durch seine Comedy-Specials auf Netflix und seine Tourneen bekannt ist, hatte die Moderation erst zehn Tage vor der Show angenommen. „Mir wurde der Job hier vor zehn Tagen angeboten! Ihr wollt eine perfekte Rede? Yo, seid schon still!“, rief er ins Publikum, als die ersten Witze nicht ankamen. Diese Reaktion verschlimmerte die Situation zusätzlich, da viele Anwesende dies als respektlos gegenüber den Gästen und der Veranstaltung auffassten.
Die umstrittenen Witze im Detail
Der Monolog begann noch harmlos mit einer Anekdote aus Koys Kindheit, in der er die Golden Globes mit seinen Eltern schaute. Doch schnell schlug der Ton um. Sein erster großer Ausrutscher war ein Witz über Christopher Nolans Historienfilm Oppenheimer. „Ich habe Oppenheimer geliebt. Ich habe nur eins auszusetzen: Er bräuchte noch eine Stunde mehr, denn ich hatte das Gefühl, er braucht mehr Backstory. Mein guter Vorsatz für 2024 ist, Oppenheimer 2025 fertig anzusehen. Ich liebe Oppenheimer, besonders die erste Staffel“, sagte er. Die Kamera zeigte Nolan, der verdutzt dreinblickte – der Regisseur, der für seinen epischen Dreistünder bekannt ist, schien den Scherz nicht zu teilen.
Noch schärfer fiel die Kritik an seinem Barbie-Witz aus. Nachdem er Oppenheimer mit einem Pulitzer-prämierten Buch verglich, sagte er über Barbie: „… basiert auf einer Plastikpuppe mit großen Brüsten.“ Dann spottete er über den Handlungsbogen des Films: „Der Schlüsselmoment in Barbie ist, wenn sie es von perfekter Schönheit zu schlechtem Atem, Cellulite und Plattfüßen bringt – oder was Casting-Direktoren ‚Charakterdarsteller‘ nennen.“ Die Kamera fing Ryan Gosling (Darsteller des Ken) und Regisseurin Greta Gerwig ein, die beide sichtlich unbeeindruckt waren. Gosling lachte nicht, Gerwig wirkte versteinert.
Auch Taylor Swift bekam ihren Teil ab. Koy sagte über den Unterschied zwischen den Golden Globes und der NFL: „Bei den Golden Globes haben wir weniger Nahaufnahmen von Taylor Swift.“ Swift, die während der NFL-Saison häufig in den Übertragungen gezeigt wird, wenn ihr Freund Travis Kelce spielt, presste die Lippen aufeinander und nahm einen Schluck von ihrem Getränk. Die Szene ging danach auf Social Media viral und wurde als eiskalte Reaktion interpretiert.
Reaktionen auf Social Media und in den Medien
Die Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) wurde nach dem Monolog mit kritischen Kommentaren überschwemmt. „Jo Koy ist der schlimmste Moderator, den es je gegeben hat“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer forderte: „Jo Koy, halt bitte einfach den Mund. Ich schäme mich fremd.“ Ein weiterer Zuschauer analysierte: „Jo Koys Monolog ist wirklich fürchterlich. Ich denke, der Großteil der Zuschauer lacht nur aus Mitleid und seine Witze über Barbie zeigen, dass er Barbie nicht verstanden hat.“
Auch etablierte Medien griffen den Vorfall auf. Die New York Times bezeichnete den Auftritt als „einen der unangenehmsten Award-Show-Momente der letzten Jahre“. Die Los Angeles Times wies darauf hin, dass Koy nicht der erste Moderator sei, der bei den Golden Globes scheitere – Ricky Gervais hatte in der Vergangenheit allerdings bewusst provoziert, während Koy einfach schlecht vorbereitet wirkte. Andere Kommentatoren erinnerten an das Fiasko von Anne Hathaway und James Franco im Jahr 2011, das ebenfalls als Tiefpunkt gilt.
Hintergrund zu Jo Koy
Joseph Glenn Herbert, bekannt als Jo Koy, begann seine Karriere in den 1990er Jahren in Comedy-Clubs in Las Vegas. Sein großer Durchbruch gelang ihm 2005 mit einem Auftritt in der Late-Night-Show von Jay Leno. Seitdem hat er mehrere erfolgreiche Netflix-Specials veröffentlicht, darunter „Live from Seattle“ und „Jo Koy: In His Elements“. Sein Stil ist bekannt für familienbezogene Beobachtungskomik, oft über seine philippinische Herkunft und seine Mutter. Viele Fans waren überrascht, dass ein Comedian mit diesem Profil die Moderation einer so glamourösen Veranstaltung übernahm – die Golden Globes sind normalerweise für ihre lockere, aber dennoch respektvolle Atmosphäre bekannt.
Koy selbst hatte zuvor in Interviews betont, wie sehr er die Einladung schätze, aber der Zeitdruck sei enorm gewesen. In den Tagen vor der Show hatte er nach eigenen Angaben rund um die Uhr mit einem Team von Autoren an der Rede gearbeitet. Dennoch blieb kaum Zeit für Proben oder Abstimmung mit den Veranstaltern. Branchenkenner spekulieren, dass die Produzenten der Golden Globes in letzter Minute einen Ersatz für den ursprünglich geplanten Moderator suchten – offiziell wurde nie bestätigt, wer ursprünglich vorgesehen war.
Die größten Momente des Abends
Trotz des verunglückten Monologs bot die Verleihung selbst einige Höhepunkte. Der Film Oppenheimer gewann in mehreren Kategorien, darunter Bester Film (Drama) und Beste Regie für Christopher Nolan. Barbie holte den Preis für den besten Song („What Was I Made For?“ von Billie Eilish). In den Serienkategorien räumte Succession ab, und die Schauspielpreise gingen unter anderem an Cillian Murphy, Lily Gladstone, Kieran Culkin und Ayo Edebiri.
Die Moderation von Jo Koy wird jedoch wohl als die negativste Erinnerung an diesen Abend in die Geschichte eingehen. Während andere Hosts wie Tina Fey und Amy Poehler oder Jimmy Fallon für ihre charmanten, selbstironischen Eröffnungen gelobt wurden, bleibt Koy der Buhmann des Jahres. Ob er jemals wieder eine so große Bühne bekommt, ist fraglich – aber die Comedy-Welt ist bekannt für zweite Chancen. Vielleicht wird er in seinen zukünftigen Shows über dieses Desaster Witze machen. Die nächste Golden-Globe-Verleihung ist erst wieder im Januar 2025, und die Veranstalter werden sich sicher genau überlegen, wen sie auf die Bühne lassen.
Bis dahin bleibt Jo Koy ein Lehrbeispiel dafür, wie wichtig Vorbereitung, Timing und das Gespür für das Publikum bei einer Live-Show mit hochkarätigen Gästen sind. Die Bilder von Taylor Swift, die an ihrem Getränk nippt, und von einem versteinerten Ryan Gosling werden das Internet vermutlich noch lange begleiten.
Source: Yahoo News News