Der Konflikt zwischen Elon Musk und Sam Altman, den beiden Mitgründern von OpenAI, hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. In den vergangenen Tagen haben sich die Milliardäre auf der Plattform X gegenseitig schwere Vorwürfe gemacht. Auslöser war eine Drohung von Musk, Apple wegen angeblicher Verstöße gegen das Kartellrecht zu verklagen. Musk behauptet, dass OpenAI und sein Chatbot ChatGPT im App Store von Apple systematisch bevorzugt würden und andere KI-Unternehmen wie sein eigenes Unternehmen xAI keine Chance auf den ersten Platz in den Rankings hätten.
„Apple verhält sich auf eine Weise, die es unmöglich macht, dass irgendein KI-Unternehmen außer OpenAI Platz eins im App Store erreicht. Das ist ein eindeutiger Verstoß gegen das Kartellrecht“, schrieb Musk auf X. „xAI wird umgehend rechtliche Schritte einleiten.“ Diese Ankündigung löste eine sofortige Reaktion von Sam Altman aus, der die Vorwürfe umkehrte und Musk selbst der Wettbewerbsverzerrung bezichtigte.
Altman richtete die Kartellvorwürfe an Musk zurück und verwies auf dessen Kontrolle über X, die ehemals als Twitter bekannte Plattform. „Das ist eine bemerkenswerte Behauptung, wenn man bedenkt, was ich angeblich darüber gehört habe, wie Elon X manipuliert. Vor allem, um sich selbst und seinen eigenen Unternehmen Vorteile zu verschaffen und seinen Wettbewerbern sowie Personen, die er nicht mag, zu schaden“, entgegnete Altman. Er verlinkte dabei auf einen Artikel von „Platformer“ aus dem Jahr 2023 mit dem Titel „Ja, Elon Musk hat ein spezielles System geschaffen, um euch zuerst all seine Tweets anzuzeigen“. Altman fügte hinzu, dass „viel darüber gesagt wurde“ und er hoffe, „dass jemand dazu eine Gegenaufklärung betreibt. Denn er und viele andere nur zu gerne wüssten, was da vor sich geht.“
Die Auseinandersetzung nahm daraufhin eine persönliche Wendung. Musk lenkte den Schlagabtausch auf die Frage, wer die größere Reichweite auf X habe. „Du hast drei Millionen Aufrufe auf deinen Bullshit-Post bekommen, du Lügner. Weit mehr, als viele meiner Beiträge erhalten haben, obwohl ich 50-mal so viele Follower habe wie du!“, schrieb Musk. Altman konterte mit einer direkten Aufforderung: „Wirst du eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass du niemals Änderungen am X-Algorithmus veranlasst hast, die deinen Wettbewerbern geschadet oder deinen eigenen Unternehmen geholfen haben?“ Er bot an, sich zu entschuldigen, falls dem so sei. Zudem bezeichnete Altman Musks geringere Aufrufzahlen bei einigen Beiträgen als ein „Skill-Problem“ und fügte hinzu: „oder Bots“.
Musk ließ die Vorwürfe nicht auf sich sitzen und postete wenig später: „Scam Altman lügt so leicht, wie er atmet.“ Er teilte den Beitrag eines Nutzers, der Altman kritisierte. Damit setzte sich fort, was Beobachter als eine weitere Runde in der langjährigen Rivalität zwischen den beiden Tech-Unternehmern bezeichnen.
Hintergrund einer zerrütteten Beziehung
Elon Musk und Sam Altman haben eine gemeinsame Geschichte. Zusammen mit anderen Investoren gründeten sie 2015 OpenAI als gemeinnütziges KI-Forschungslabor. Ziel war es, künstliche Intelligenz sicher und zum Wohle der Menschheit zu entwickeln. Musk verließ jedoch 2018 den Vorstand, nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung gekommen war. Seitdem ist er einer der lautstärksten Kritiker von Altman und OpenAI geworden. Er wirft dem Unternehmen vor, von seiner ursprünglichen Mission abgekommen zu sein und durch die Partnerschaft mit Microsoft profitorientierte Ziele zu verfolgen.
Im Februar 2024 reichte Musk eine Klage gegen OpenAI, Altman und Microsoft ein, in der er behauptete, das Unternehmen habe seinen Non-Profit-Status verraten. Im Juni zog er die Klage überraschend zurück, nur um sie zwei Monate später erneut in modifizierter Form einzureichen. Das Verfahren ist noch anhängig. Neben den rechtlichen Auseinandersetzungen konkurrieren Musk und Altman auch auf dem Markt für KI-Chatbots. OpenAI hat mit GPT-5 ein leistungsfähiges Modell veröffentlicht, während Musk mit xAI und dem Chatbot Grok im Rennen ist. Musk behauptet, dass Grok 4 Heavy bereits vor zwei Wochen intelligenter gewesen sei als GPT-5 und dass die Entwicklung rasant fortschreite.
Die Rivalität ist längst zu einem öffentlichen Schauspiel geworden, bei dem sich die beiden Unternehmer immer wieder auf X angreifen. Altman hatte in einem CNBC-Interview Ende vergangener Woche noch betont, er denke nicht so viel über Musk nach – eine Aussage, die an ein berühmtes Zitat aus der Serie „Mad Men“ erinnerte. Doch sein anschließendes Eingreifen zeigte, dass er den Konflikt durchaus ernst nimmt.
Aktuelle Entwicklungen und Fakten
Der aktuelle Streit begann mit Musks Drohung gegen Apple. Er argumentiert, dass der App Store von Apple nicht neutral sei und dass die Rankings systematisch OpenAI bevorzugen. Dies sei ein klarer Verstoß gegen das Kartellrecht, da Apples Richtlinien und das Ranking-System anderen KI-Unternehmen keine faire Chance böten, die Spitzenposition zu erreichen. Musk kündigte an, dass seine Firma xAI umgehend rechtliche Schritte einleiten werde.
Altman wies die Vorwürfe zurück und warf Musk vor, selbst die Plattform X zu missbrauchen, um sich und seinen Unternehmen Vorteile zu verschaffen. Er forderte eine eidesstattliche Erklärung, die Musk nicht lieferte. Stattdessen lenkte Musk das Thema auf die Anzahl der Aufrufe seiner Beiträge. Altman nutzte dies, um Musk weiter zu provozieren und ihn der Lüge zu bezichtigen.
Die xAI von Musk arbeitet derzeit an Grok, einem KI-Assistenten, der auf der Plattform X integriert ist. Musk hat mehrfach betont, dass Grok leistungsfähiger sei als OpenAIs Modelle. Nach der Ankündigung von Microsoft-CEO Satya Nadella, dass GPT-5 in alle Microsoft-Plattformen integriert werde, kommentierte Musk: „OpenAI wird Microsoft lebendig fressen.“ Altman ging darauf nicht direkt ein, äußerte aber in dem CNBC-Interview, dass Musk seine Zeit damit verbringe, „den ganzen Tag zu twittern, wie schlecht OpenAI und unser Modell sind“.
Ein weiterer Punkt der Auseinandersetzung ist die Frage der Vertrauenswürdigkeit. Musk postete einen Screenshot einer Anfrage an ChatGPT-5 Pro, in der er fragte, ob er oder Altman vertrauenswürdiger sei. ChatGPT entschied sich für Musk. Business Insider testete die gleiche Frage mit verschiedenen Modellen und stellte fest, dass ChatGPT nur in einem von acht Versuchen Musk wählte – bei den anderen Male entschied es sich für Altman. Musk nutzte dies dennoch als Bestätigung seiner Position.
Die gesamte Entwicklung zeigt, dass der persönliche und geschäftliche Konflikt zwischen den beiden Tech-Milliardären nicht abreißen wird. Beide investieren massiv in KI und sehen sich als Wegbereiter der nächsten Stufe künstlicher Intelligenz. Während OpenAI auf Partnerschaften mit großen Unternehmen wie Microsoft setzt, verfolgt Musk mit xAI einen unabhängigeren Kurs, der eng mit seiner Plattform X und seinen anderen Firmen wie Tesla verknüpft ist.
Die Frage der Marktmacht und des Wettbewerbs wird dabei zunehmend rechtlich relevant. Musks Androhung einer Kartellklage gegen Apple ist nur der jüngste Vorstoß. Es bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich zu einer Klage kommt und wie sich die Gerichte positionieren. Für Altman und Musk steht jedoch mehr auf dem Spiel als nur der Ausgang eines Rechtsstreits – es geht um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz, einem der zukunftsträchtigsten Technologiefelder.
Die Rolle von Apple und Microsoft
Apple ist in diesen Streit hineingezogen worden, ohne sich bisher öffentlich zu äußern. Das Unternehmen hat strenge Richtlinien für den App Store, die immer wieder Gegenstand von Kartellvorwürfen waren. Dass nun Musk Apple angreift, ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Einerseits positioniert sich Musk als Verfechter des freien Wettbewerbs, andererseits wird ihm selbst vorgeworfen, auf X Algorithmen zu manipulieren. Altman stellte dies in den Raum, ohne jedoch bislang Beweise vorzulegen.
Microsoft wiederum spielt eine zentrale Rolle in OpenAIs Strategie. Der Softwarekonzern hat Milliarden in OpenAI investiert und integriert dessen Modelle in seine Produkte wie Office 365 und Azure. Altman sieht darin einen wichtigen Schritt, um KI einer breiten Nutzergruppe zugänglich zu machen. Musk hingegen bewertet die Partnerschaft als Verrat an der ursprünglichen Non-Profit-Idee.
Die öffentliche Debatte zeigt, wie sehr persönliche Animositäten und strategische Unternehmensentscheidungen miteinander verwoben sind. Es ist unwahrscheinlich, dass der Streit in absehbarer Zeit beigelegt wird, solange beide Seiten um die gleichen Märkte und die Deutungshoheit über die Zukunft der KI konkurrieren.
Source: Business Insider News