Der Schweizer Aktienmarkt steht am Freitag vor einem festeren Handelsstart. Der SMI wird gemäss vorbörslichen Berechnungen höher erwartet, nachdem er am Vortag noch leichter geschlossen hatte. Die Marktteilnehmer richten ihren Fokus weiterhin auf die geopolitische Lage im Nahen Osten, insbesondere auf den Iran-Konflikt, der die Märkte seit Wochen in Atem hält.
Geopolitische Lage bleibt angespannt
Die Unsicherheit über eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran dominiert das Geschehen. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er eine Verlängerung ohne eine für ihn zufriedenstellende Einigung als „sehr unwahrscheinlich“ betrachtet. Gleichzeitig signalisiert der Iran nur geringe Gesprächsbereitschaft und lehnt Verhandlungen „unter Druck“ ab. Diese Pattsituation führt zu einer erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten.
Die wieder anziehenden Ölpreise spiegeln die anhaltende Nervosität wider. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent liegt am Morgen bei rund 94,40 US-Dollar und tendiert seitwärts. Händler warnen, dass sich ein langanhaltend hoher Ölpreis negativ auf die Inflation und das Konsumverhalten auswirken könnte. Die Blockade der Strasse von Hormus durch die US-Streitkräfte bleibt ein kritischer Faktor, der die globale Energieversorgung beeinträchtigt.
Devisenmärkte zeigen sich stabil
Am Devisenmarkt bewegen sich die wichtigsten Währungspaare nur wenig. Der Euro notiert am Morgen bei 0,9135 Franken, der Dollar bei 0,7865 Franken. Das Dollar-Franken-Paar liegt bei rund 0,7786 und damit nahezu unverändert zum Vortag. Auch das Euro-Dollar-Paar verharrt bei 1,1781. Die Marktteilnehmer verhalten sich abwartend und warten auf neue Signale aus der geopolitischen Entwicklung.
Im weiteren Tagesverlauf richten sich die Blicke auf die Veröffentlichung der US-Einzelhandelsumsätze am Nachmittag. Diese dürften aufgrund der gestiegenen Energiepreise höher ausfallen, während die Kernrate laut Analysten unter Druck stehen könnte. Zudem werden die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland veröffentlicht, die weitere Hinweise auf die wirtschaftliche Lage in Europa geben könnten.
Positive Vorgaben aus Asien
Die asiatischen Aktienmärkte zeigen sich am Freitag überwiegend fester. In Tokio legt der Nikkei-Index um 1,3 Prozent auf knapp 59.600 Punkte zu. Rückenwind kommt von Berichten, wonach der Iran eine Teilnahme an Friedensgesprächen mit den USA in Pakistan erwägt. Diese Hoffnung stützt auch die Technologiewerte, die von den anhaltenden Investitionen in Künstliche Intelligenz profitieren. So legen japanische Chipwerte wie Tokyo Electron und Advantest deutlich zu.
Die Börse in Shanghai gibt dagegen leicht nach, was auf die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit in China zurückgeführt wird. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fällt um 0,3 Prozent. Insgesamt bleiben die asiatischen Märkte jedoch von einer vorsichtigen Optimismus geprägt.
Wall Street mit moderaten Gewinnen erwartet
In den USA dürften die Aktienmärkte am Freitag moderat fester starten. Der Dow Jones Industrial wird rund eine Stunde vor Handelsbeginn rund 0,5 Prozent höher erwartet, der Nasdaq 100 rund 0,3 Prozent. Die Anleger hoffen weiterhin auf eine zweite Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran, was die Ölpreise etwas sinken liess. Die freundlich stabile Stimmung wird zudem von den stärker als erwartet gestiegenen Einzelhandelsumsätzen im März gestützt.
Unter den Einzelwerten stehen Apple und Amazon im Fokus. Apple hatte am Vorabend bekannt gegeben, dass Hardware-Chef John Ternus am 1. September den langjährigen CEO Tim Cook ablösen wird. Analysten bewerten den Wechsel positiv, da die Kernstrategie des Unternehmens voraussichtlich erhalten bleibt. Die Apple-Aktie gibt vorbörslich leicht nach. Amazon kann dagegen zulegen, nachdem der Konzern eine weitere Milliardeninvestition in den KI-Entwickler Anthropic ankündigte.
Im Dow Jones sind zudem die Quartalszahlen von UnitedHealth und 3M im Blick. UnitedHealth überraschte mit einem starken Start ins neue Jahr und hob die Jahresprognose an, was die Aktie vorbörslich um fast acht Prozent nach oben treibt. 3M enttäuschte dagegen mit seinem bereinigten Wachstum, die Aktie gibt nach.
Schweizer Aktienmarkt im Detail
Im SMI zeichnen sich am Morgen Aufholeffekte bei den zuletzt schwachen konjunktursensitiven Titeln ab. Sika, Geberit und Holcim werden fester erwartet, nachdem sie am Vortag überdurchschnittlich stark verloren hatten. Auch die Technologiewerte profitieren von den positiven Impulsen aus den USA: VAT, Comet und AMS Osram legen vorbörslich zu.
Unter den defensiven Werten zeigen sich Nestlé, Roche und Novartis uneinheitlich. Während Roche und Novartis leicht nachgeben, hält sich Nestlé stabil. Die Grossbank UBS wird mit einem Abschlag erwartet, nachdem die Aktie ex Dividende gehandelt wird. Der Dividendenabgang von 1,10 US-Dollar bzw. rund 86 Rappen belastet. Logitech und Lindt & Sprüngli zählen zu den grössten Verlierern im frühen Handel.
Im breiteren Markt steht Temenos im Fokus, das am Vorabend seine Quartalszahlen veröffentlichen wird. Die Aktie wird vorbörslich etwas höher erwartet, nachdem sie am Vortag deutlich verloren hatte. Der Flughafen Zürich und Straumann werden ebenfalls ex Dividende gehandelt und geben entsprechend nach.
Die Berichtssaison in der Schweiz nimmt in den kommenden Tagen weiter Fahrt auf. Schwergewichte wie ABB, Nestlé, Roche und Holcim legen ihre Quartalszahlen offen. Die Anleger erhoffen sich Hinweise zum konjunkturellen Umfeld und zu den Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf die Geschäfte der Schweizer Unternehmen. Insbesondere die Aussagen zum weiteren Geschäftsverlauf werden mit Spannung erwartet.
Zusammenfassend bleibt der Schweizer Aktienmarkt von einer Mischung aus geopolitischen Risiken und positiven Konjunkturdaten geprägt. Die Vorbörse signalisiert eine gewisse Erholung, doch die Lage im Nahen Osten bleibt der entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung. Die Anleger werden die Entwicklungen in den kommenden Tagen genau verfolgen und ihre Positionen entsprechend anpassen.
Source: Finanz und Wirtschaft News