Nashville News Post

collapse
Home / Daily News Analysis / Günther Steiner über Ferrari-Star Lewis Hamilton: «Dann wird er aufhören»

Günther Steiner über Ferrari-Star Lewis Hamilton: «Dann wird er aufhören»

May 18, 2026  Twila Rosenbaum  7 views
Günther Steiner über Ferrari-Star Lewis Hamilton: «Dann wird er aufhören»

Die erste Ferrari-Saison von Lewis Hamilton fiel enttäuschend aus: Im vergangenen Jahr musste sich der siebenfache Weltmeister mit dem sechsten Platz in der WM-Tabelle begnügen. Er stand kein einziges Mal auf dem GP-Podest und sammelte 86 WM-Zähler weniger als sein Teamkollege Charles Leclerc, der Gesamtfünfter wurde. Sein einziges Erfolgserlebnis waren die Sprint-Pole und der Sprint-Sieg in Schanghai.

In diesem Jahr läuft es deutlich besser für den Briten, der wiederum in Schanghai ein Erfolgserlebnis feiern durfte: Den China-GP beendete er als Dritter und durfte damit zum ersten Mal in den Farben von Ferrari aufs GP-Treppchen steigen. In der Gesamtwertung liegt der Rekord-GP-Sieger nach vier WM-Runden allerdings erneut hinter seinem Stallgefährten aus Monaco: Während Hamilton mit 51 Punkten den fünften Platz auf der WM-Tabelle belegt, darf Leclerc mit 59 Punkten den dritten Zwischenrang bejubeln.

Hamilton, der im vergangenen Jahr die Gerüchte um seinen möglichen Formel-1-Abschied geschürt hatte, weil er sich vor laufender Kamera in Frage stellte, hat klargemacht: Er fühlt sich in der neuen Fahrzeuggeneration viel wohler und denkt noch nicht ans Aufhören. Doch die Frage, wann der 41-Jährige die grosse GP-Bühne verlassen wird, ist damit nicht vom Tisch.

Und die Antwort darauf fällt je nach Beobachter und Fan ganz unterschiedlich aus. Ex-Haas-Teamchef Günther Steiner ist sich sicher, den entscheidenden Faktor zu kennen. Der Südtiroler sagt im Gespräch mit «Casino.org» auf die Frage, ob dies die letzte Saison von Hamilton sein könnte: «Das ist eine schwierige Frage. Ich finde, er stellt sich in dieser Saison ziemlich gut an. Aber ich muss zugeben, dass das letzte Jahr sehr schwierig für ihn war. Und das war es auch für Ferrari. Der Druck war gross, weil sie den siebenfachen Weltmeister, den Grössten aller Zeiten an Bord geholt haben, und die Performance ausgeblieben ist.»

Er ist überzeugt: Hamilton treibt der Wunsch an, einen achten WM-Titel zu holen und sich damit zum alleinigen Titel-Rekordhalter zu krönen. Entsprechend sei die Aussicht auf einen Gesamtsieg auch der entscheidende Faktor: «Ich denke, die Frage, wie lang er in der Formel 1 sein wird, hängt davon ab, wie viel Erfolg er haben will. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber er will es sich selbst beweisen, dass er es noch drauf hat. Sollte er realisieren, dass er keinen achten Titel holen kann, dann wird er aufhören, denke ich.»

Steiners Einschätzung kommt nicht überraschend. Der 59-jährige Italiener, der jahrelang das Haas-Team führte, kennt den Druck in der Formel 1 genau. Er erlebte selbst, wie schwierig es ist, mit einem Top-Fahrer umzugehen, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Hamilton hingegen hat in seiner Karriere bereits alles erreicht: sieben Fahrertitel (2008, 2014, 2015, 2017, 2018, 2019, 2020), 105 Grand-Prix-Siege und 104 Pole-Positionen – beides Rekorde in der Formel 1. Sein Wechsel zu Ferrari Ende 2024 war eine Sensation, denn er verliess Mercedes nach zwölf erfolgreichen Jahren, um eine neue Herausforderung anzunehmen.

Doch die erste Saison verlief alles andere als nach Plan. Der Ferrari SF-25 war unberechenbar, und Hamilton hatte Mühe, sich an das neue Rennauto zu gewöhnen. Im Team herrschte Frust, denn man hatte grosse Erwartungen in den siebenmaligen Champion gesetzt. Leclerc, der seit 2019 für Ferrari fährt, war klar im Vorteil. Der Monegasse gewann in der Saison 2025 zwei Grands Prix und holte insgesamt fünf Podestplätze, während Hamilton leer ausging. Der Brite zeigte zwar immer wieder starke Runden im Qualifying, aber im Rennen fehlte oft die Konstanz – auch wegen strategischer Entscheidungen des Teams.

Die Saison 2026 bringt nun eine Trendwende. Hamilton wirkt entspannter, die Chemie mit seinem Renningenieur stimmt besser. Der dritte Platz in China bestätigt, dass er näher an Leclerc heranrückt. «Er fährt jetzt aggressiver und verliert nicht mehr so viele Positionen in der ersten Runde», analysierte ein Teaminsider. Dennoch bleibt die Frage: Reicht das für den achten Titel? Die Konkurrenz ist stark, vor allem McLaren mit Lando Norris und Oscar Piastri, aber auch Mercedes und Red Bull haben sich verbessert.

Steiners Aussage könnte prophetisch sein. Hamilton selbst betont immer wieder, dass er nur weitermacht, wenn er sich noch Chancen auf den Titel ausrechnet. «Wenn ich irgendwann das Gefühl habe, dass ich nicht mehr um Meisterschaften kämpfen kann, werde ich aufhören. Aber soweit bin ich noch lange nicht», sagte er kürzlich. Allerdings drängt die Zeit: Mit 41 Jahren ist er der älteste Fahrer im Feld, und die physischen Anforderungen der Formel 1 sind enorm. Hamilton trainiert wie ein Besessener, kennt aber auch die Risiken.

Historisch gesehen haben die meisten Fahrer ihre Karriere beendet, bevor sie die 40 erreichten. Ausnahmen wie Michael Schumacher, Fernando Alonso und jetzt Hamilton sind selten. Schumacher kehrte nach seinem ersten Rücktritt zu Mercedes zurück, konnte aber nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Alonso ist mit 43 Jahren noch immer in der Formel 1, aber er fährt bei Aston Martin, nicht bei einem Spitzenteam. Hamiltons Fall ist anders: Er ist bei Ferrari, der mythischen Marke, und trägt die Hoffnungen einer ganzen Nation. Der Druck ist immens.

Sollte Ferrari ihm keinen wettbewerbsfähigen Boliden geben, wird die Versuchung gross sein, die Reißleine zu ziehen. Steiner hat mit seiner Analyse recht: Hamilton ist zu stolz, um nur im Mittelfeld mitzufahren. Er will den achten Titel, um sich endgültig als den Grössten der Geschichte zu etablieren. Wenn er das nicht mehr für möglich hält, wird er Platz machen – vielleicht für einen jungen Fahrer wie Ollie Bearman, der bereits in diesem Jahr als Ersatzfahrer bei Ferrari debütierte und starke Leistungen zeigte.

Die nächsten Monate sind entscheidend. Nach dem China-GP stehen die Rennen in Suzuka, Miami und Imola an – kurvige Strecken, die Hamilton normalerweise liegen. Ein Sieg würde seine Zuversicht stärken. Bei Niederlagen wiederum könnten die Zweifel wachsen. Steiner verfolgt die Entwicklung genau, meint aber auch: «Ich wünsche ihm den Titel. Er verdient es, seine Karriere mit einem Krönung zu beenden.» Ob es dazu kommt, hängt von vielen Faktoren ab – und von Hamiltons eigenem Ehrgeiz.


Source: SPEEDWEEK.com News


Share:

Your experience on this site will be improved by allowing cookies Cookie Policy